Banaue

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Weiße Sandstrände, traumhafte Inseln, Palmen und dichter Dschungel – diese Dinge werden den meisten Touristen in den Sinn kommen, wenn sie an die Philippinen denken. Wer das Land jedoch von einer anderen, weniger bekannten Seite sehen will, sollte den Norden der Insel Luzon besuchen und eine Reise in die Region Banaue wagen. Diese liegt in der Provinz Ifugao, einem gebirgigen Landstrich, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg so richtig in den Philippinischen Staat eingegliedert wurde. Durch seine Unzugänglichkeit widersetzte sich die Bergregion lange Zeit erfolgreich Kontrollversuchen von außen – und auch heute noch spielen regionale Traditionen, Gesetze und eine relativ demokratische Regierung durch Dorfälteste eine wichtige Rolle.

Die Region Banaue ist vor allem wegen ihrer Jahrtausende alten Reisterrassen bei Touristen beliebt und lädt zu ausgedehnten Wanderungen ein. Die Fahrt von Manila dauert mit dem Reisebus etwa 12 Stunden – ein langer Trip, Flüge sind jedoch nicht möglich. Die Busgesellschaft heißt Ohayami Trans, ein Ticket gibt es für 500 Pesos (7,5 Euro) und die Fahrt dauert etwa 9 Stunden. Ich nahm den Nachtzug um 22:15 Uhr. Ich empfehle jedoch dringend, das Ticket frühzeitig zu reservieren: Ich war etwa zwei Stunden vor Abfahrt am Ticketschalter und bekam nur noch einen sog. „Center Seat“, einen ausklappbaren Sitz im Gang des Busses, der so unbequem und schlecht gepolstert war, dass sich die letzten Stunden der Fahrt als reinste Folter erwiesen. Für diese Strapazen wurde ich jedoch entschädigt, als ich sah, wie die Landschaft gebirgiger wurde, die Felder und Wiesen steilen bewaldeten Klippen Platz machten. Über serpentinenartige Gebirgsstraßen ging die Fahrt immer steiler, bis ich im Städtchen Banaue angekommen war. Dieses ist winzig, bietet aber einige Herbergen und hat definitiv seinen ganz eigenen Charme mit seinen engen Gässchen und den kleinen Läden, die den berühmten Schmuck und die Holzschnitzereien im Ifugao-Stil verkaufen. Abends finden dort vor dem Rathaus Tanzveranstaltungen bei Feuerschein statt und auch wenn der Ort touristisch gut erschlossen ist, fühlt er sich sehr entspannt an. Das Tourist Center bietet einige Touren an – ich entschied mich jedoch spontan für eine zweitägige Gruppenwanderung zum nahe gelegenen Ort Batad: Hier sollen laut Mitreisenden die schönsten Reisterrassen der Region liegen und ich wollte sehen, ob diese Meinung berechtigt war.

Am ersten Tag der Wanderung fuhren meine Gruppe und ich mit dem Van zu einem Aussichtspunkt außerhalb Banaues, von wo aus wir einen ersten Blick auf die Reisterrassen erhaschen konnten. Genauer betrachten konnten wir diese jedoch auf dem Wanderweg, der am Rande der Terrassen entlang verläuft. Diese sind einfach nur wunderschön und beeindruckend – vor allem wenn man bedenkt, dass sie bereits 2000 Jahre alt sind. So weit datieren Experten den Reisanbau in Ifugao zurück, und alle wichtigen Bräuche und Feste der Region drehen sich um dieses Grundnahrungsmittel, das übrigens immer noch von Hand gepflanzt wird. Die Terrassen sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern zeugen mit ihrem ausgeklügelten Bewässerungssystem von einer erstaunlichen Ingenieurskunst. Leider kann man den dort angebauten Reis nicht (oder nur sehr selten) probieren, denn das, was die ortsansässigen Familien anbauen, reicht lediglich zur Selbstversorgung. Zum Glück bietet der Tourismus den Einheimischen, die wohl zu den freundlichsten und warmherzigsten Menschen gehören, denen ich je begegnet bin, ein willkommenes Zubrot.

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Der Fluss, der für die Bewässerung dre Reisterrassen sorgt, lädt zu einre Abkühlung ein.
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Das Anlegen einer solchen Terrasse kann 100 Jahre oder mehr in Anspruch nehmen.
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Jedes Reispflänzchen muss einzeln gepflanzt werden – eine Arbeit, die vor allem die Frauen erledigen.
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Nicht nur Reis wird in Banaue angebaut – auch Anananas-Pflanzen säumen die Terrassen.
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Es fängt an zu regnen – Zeit, die Unterkunft zu erreichen.

Die Nacht verbrachten wir in einem kleinen, gemütlichen Guest House nicht weit von Batad. Das Abendessen war ausgezeichnet, nur Internet und Handyempfang darf man dort nicht erwarten. Insgesamt ist Banaue, aber auch die nahe gelegenen Orte Bontoc und Sagada, ideale Orte, um sich ohne ständige Erreichbarkeit über Whatsapp und Facebook zu erholen und die Natur zu genießen. Auf jeden Fall habe ich bisher an keinem Ort auf den Philippinen so gut geschlafen wie hier.

Am nächsten Morgen legten wir die restliche Strecke nach Batad zurück und wurden für den anstrengenden Aufstieg mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Waren die Reisterrassen in Banaue bereits beeindruckend, so raubten mir die Terrassen von Batad schier den Atem. Vom Aussichtspunkt aus hat man einen weiten Ausblick auf die Terrassen mit ihren grünen Reispflanzen, neben denen die Menschen wie Ameisen wirken. Dazu noch die majestätischen Berge im Hintergrund – ein wahres Postkartenmotiv.

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Ein 2000 Jahre altes Kulturgut – die Reisterrassen von Batad

 

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Unser Weg führte uns entlang der Reisterrassen zu den Tappiyah-Wasserfällen, bei denen wir uns abkühlen und vom anstrengenden Abstieg erholen konnten (der Weg zu den Wasserfällen ist bei Touristen berüchtigt). Der Wasserfall beeindruckt durch seine Höhe – so hoch, dass der Wasserdruck es fasst unmöglich macht, direkt hin zu schwimmen. Die Tappiyah-Falls waren dann auch unser letzter Stopp, bevor wir uns auf den Weg zurück zu unserem Van machten, der uns das letzte Stück zurück nach Banaue brachte.

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Insgesamt ist Banaue für mich ein absolutes Muss auf jeder Philippinen-Reise, auch wenn der Weg dorthin eine Weile in Anspruch nimmt. Die Gegend unterscheidet sich landschaftlich vom Rest des Landes, die Kultur mit ihren Kunsterzeugnissen ist faszinierend, und in die Bergbewohner mit ihrer gelassenen, absolut offenen und freundlichen Art hatte ich mich bereits am ersten Tag verliebt. Wer mehr über die einheimische Kultur lernen möchte, kann auch das Museum in Banaue besuchen – eventuell wenn es regnet. Dies tut es nämlich in Banaue, aber in der Bergregion allgemein, mit schöner Regelmäßigkeit: Wasserdichte Kleidung ist also ein Muss. Außerdem sollte man sich auf etwas kältere Nächte einstellen, ich empfand die etwas milderen Temperaturen jedoch als willkommene Abwechslung zur Gluthitze Manilas, der Visayas und Palawans.

Ninh Binh

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Inhaltsverzeichnis

  1. Bich Dong-Pagode
  2. Hang Mua
  3. Bootstour
  4. Hua Lu Ancient Capital
  5. Bai Dinh

Es wurde Zeit für meinen letzten Stopp vor der Hauptstadt Hanoi. Ninh Binh, eine 130.000 Einwohner-Stadt, etwa 8 Stunden von Phong Nha entfernt, versprach Ähnliches wie der Nationalpark: ländliche Idylle, unberührte Natur – dazu noch eine ganze Reihe wunderschöner Tempel. Und die Versprechungen wurden gehalten, aber dazu später mehr. Die komfortabelste Option, nach Ninh Binh zu reisen, war der Schlafbus. Dieser war erstaunlich komfortabel und ich schlummerte tief und fest, als mich der Schaffner um 04:30 Uhr Morgens weckte, weil wir in Ninh Binh angekommen waren. Gewohnt habe ich übrigens nicht in der Stadt Ninh Binh selbst, sondern in Tam Coc, einem kleinen Ort etwa 6 km entfernt. Die meisten Backpacker und Touristen bevorzugen Tam Coc aufgrund der Nähe zu den Bootstouren und der ganze Ort lebt vom Fremdenverkehr.

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Meine erste Amtshandlung bestand darin, ein Fahrrad zu mieten. Natürlich kann man sich bei allen Hostels auch einen Motorroller ausleihen und dies lohnt sich, wenn man weiter entfernte Attraktionen besuchen will. Das Fahrrad ist jedoch perfekt geeignet für die schmalen, oftmals sehr schlechten Feldwege. Außerdem hat es einfach etwas ungemein Entspannendes, ohne Zeitdruck durch die herrliche Landschaft zu radeln, vorbei an grünen Reisfeldern am Fuße der üppig bewaldeten Kalksteinfelsen.

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Meine erste Anlaufstelle war die Bich Dong-Pagode, ein Tempelkomplex, dessen Ursprünge bis in das 15. Jahrhundert zurückreichen. Die Pagode selbst, sowie die in einer Höhle gelegenen buddhistischen Schreine sind sehr sehenswert – richtig beeindruckend ist jedoch das Tal hinter der Pagode. Hier, am Ufer eines ruhigen Flusses, im Schatten der majestätischen Kalksteinfelsen, hört man nur das Quaken der Frösche, das von den Felsen widerhallt, während Ziegen am Ufer grasen und eine Bäuerin neben einer kleinen Hütte das Reisfeld bestellt. Obwohl das Tal nur wenige Minuten von der Landstraße entfernt ist, fühlte ich mich fernab der modernen Welt, wie in einem verwunschenen Tal, das von der Zeit vergessen wurde.

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Eingang zur Bich Dong-Pagode

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Eine genau so empfehlenswerte Sehenswürdigkeit ist Hang Mua, etwas weiter nördlich der Pagode. Hierbei handelt es sich um einen Schrein zu Ehren Guanyins, die aufmerksame Leser bereits im Beitrag über Đà Nẵng kennen gelernt haben. Bis man aber zum Schrein und damit zur grandiosen Aussicht gelangt, muss man einen brutalen Aufstieg von fast 500 Stufen hinter sich bringen. Die Strapazen lohnen sich jedoch: Nicht nur hat man von dort oben ein großartiges Panorama auf die Berge und den Fluss, der durch das Tal fließt; wer schwindelfrei ist, kann außerdem auf der Bergkuppe herumklettern und sich dabei am Wahrzeichen Hang Muas festhalten – einem steinernen Drachen, der den Schrein bewacht.

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Auch am Fuße des Berges gibt es etwas zu sehen: die Tigerhöhle mit einem dazu passenden Schrein, und eine Höhle, in der man die Schuhe ausziehen und auf einem steinernen Steg durch seichtes Wasser waten kann.

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Am frühen Abend machte ich mich auf den Weg zurück in mein Hostel und genoss dabei die laue Abendluft und die nun fast menschenleere Landschaft. Dabei fiel mir eine weitere Besonderheit Ninh Binhs auf: die gebratenen Ziegen, die fast überall am Straßenrand verkauft wurden und die ich erst für Attrappen hielt. Das Ziegenfleisch Ninh Binhs ist weit und breit für seine besondere Qualität bekannt – kein Wunder, wenn man sieht, wie die Ziegen auf den weitläufigen Felsen herumklettern. Es lohnt sich daher unbedingt, ein Gericht mit Ziegenfleisch zu probieren, zum Beispiel gebratene Ziege mit Zitronengras im Tam Dhat-Restaurant neben der bekannteren Bamboo-Bar.

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Eine Spezialität Ninh Binhs – gebratene Ziege

Am nächsten Tag wollte ich den Fluss, den ich am Vortag vom Aussichtspunkt bei Hang Mua betrachten konnte, aus der Nähe sehen, und eine Bootstour mieten. Dafür hätte ich direkt in Tam Coc bleiben können; Mitreisende empfahlen mir jedoch die Ecotourism Tour im Trang An-Nationalpark, die man von Tam Coc aus in einer halben Stunde mit dem Motorroller erreichen kann. Es gibt drei Touren, deren Unterschiede mir am Anfang nicht wirklich ersichtlich waren. Angeblich ist Tour 3 die am wenigsten befahrene, auf Tour 1 steuert man jedoch die meisten Höhlen und Tempel an. Ich entschied mich an diesem Tag für Quantität und wählte die erste Tour. Alle Touren kosten 200.000 Dong (7 Euro). Nach dem Ticketkauf steigt man auf ein kleines Ruderboot um und lässt sich vom Bootsführer – oder in den meisten Fällen der Bootsführerin – über den Fluss paddeln und genießt die Landschaft. Die Bootstour führt durch einige Höhlen, in denen man den Kopf einziehen muss – außerdem stoppt das Boot bei drei Tempeln, die man besichtigen und bei denen man sich stärken kann. Die Bootstour ist wirklich zu empfehlen, auch wenn sich die Höhlen und Tempel meiner Meinung nach nicht drastisch voneinander unterscheiden. Die Landschaft des Trang An-Nationalparks ist vom Boot aus einfach wunderschön anzuschauen und es ist kein Wunder, dass die Gegend als Schauplatz für den neuen King Kong-Film, sowie für den etwas älteren Film „Indochine“ ausgesucht wurde.

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Ein weiteres Wahrzeichen ist Hua Lu Ancient Capital, etwas nördlich vom Ecotourism Center gelegen. Hua Lu war die Hauptstadt der ersten vietnamesischen Dynastien im 10. und 11. Jahrhundert. Von der alten Pracht der Hauptstadt sind jedoch nur noch wenige Tempel und eine goldene Kutsche übrig. Die Tempel sind weder besonders eindrücklich, noch besonders groß – der Eintritt ist jedoch mit 20.000 Dong (70 Cent) nicht teuer und Hua Lu liegt auf dem Weg zur wohl bekanntesten Attraktion Ninh Binhs – Bai Dinh.

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>Bai Dinh ist nicht nur ein Tempel, sondern ein weitläufiges Areal mit Pagoden, Tempeln, einer gigantischen Stupa und einer Buddhastatue. Der Komplex ist so groß, dass man sich mit dem Elektrobus chauffieren lassen kann. Der Preis ist jedoch mit 30.000 Dong (1 Euro) für ein einfaches Ticket vergleichsweise hoch. Wer also genug Zeit hat, sollte zu Fuß gehen. Der historische Tempel befindet sich im nördlichen Teil des Areals. Wie so oft gelangt man über steile Treppenstufen dorthin. Der Großteil des Tempelkomplexes ist jedoch relativ neu und wurde erst im Jahr 2010 fertig gestellt. Besonders der erste Tempel beeindruckt durch seine schiere Größe und die majestätischen Buddhastatuen im Innenraum. Überhaupt stellt Bai Dinh einen Superlativ dar – es handelt sich um den größten Tempel Vietnams, außerdem befindet sich dort die mit 100m höchste Stupa des Landes. Wer wirklich alles sehen will, sollte für einen Besuch mindestens 2 Stunden einplanen.

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Die größte Pagode Vietnams in Bai Dinh

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Der Eintritt zu den Pagoden ist übrigens kostenlos, lediglich für das Parken muss man zahlen (im Durchschnitt etwa 10.000 Dong, also 35 Cent), dabei macht es keinen Unterschied, ob man mit dem Motorroller oder dem Fahrrad unterwegs ist. Die Parkwächter können sehr deutlich werden und ich weiß nicht, ob man sein Gefährt ungestraft am Wegrand abstellen kann.

Fazit

Insgesamt fand ich Ninh Binh, das heißt vor allem die Umgebung, sehr schön und idyllisch. Die Landschaft hätte mich wahrscheinlich noch mehr vom Hocker gehauen, hätte ich nicht vorher den unglaublich schönen Phong Nha-Nationalpark besucht, dennoch strotzt Ninh Binh vor schönen Orten, die einen vergessen lassen, dass man sich in einem hoch entwickelten Land im Jahr 2018 befindet. Wie gesagt erkundet man die malerische Landschaft am besten auf eigene Faust mit dem Fahrrad oder dem Motorroller, und am besten plant man mindestens zwei Tage ein. Das einzige, was meine Freude trübte, war, dass ich an meinem letzten Tag in meinem Hostel um 200.000 Dong (7 Euro) geprellt wurde, was mir sehr sauer aufgestoßen ist. Mehr Informationen zum Vorfall folgen in einem nächsten Beitrag. Überhaupt habe ich vielerorts den Tipp gelesen, nicht in der Stadt Ninh Binh, sondern im kleineren Tam Coc zu übernachten. Ich kann mich diesem Ratschlag nicht anschließen: Ninh Binh ist keine große Stadt und abseits der Hauptstraße wirklich ruhig und beschaulich. Man findet dort alle Annehmlichkeiten und genießt eine zentrale Lage zu den Sehenswürdigkeiten. Außerdem kann man sich so die Taxifahrt nach Tam Coc sparen, die noch einmal mit 70.000 Dong (2,50 Euro) zu Buche schlagen kann.

Phong Nha-Kẻ Bàng

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Nach meinem etwas ernüchternden Aufenthalt in Huế sollte nun das absolute Highlight in Vietnam folgen: meine Reise in den Nationalpark Phong Nha-Kẻ Bàng (kurz: PNKB) an der Grenze zu Laos. Der Nationalpark in diesem bewaldeten Gebirgszug wurde bereits in den 90er Jahren gegründet, für Touristen bekannt wurde der Ort jedoch erst später, als Geologen im Jahr 2009 20 neue Höhlen in den Kalksteinfelsen entdeckten. Darunter befindet sich Sơn-Đoòng, die größte Höhle der Welt. Einen Besuch können sich die meisten von uns jedoch aus dem Kopf schlagen: Die Tour kostet 3000 US-Dollar und nur wenige Besucher werden Jahr für Jahr zugelassen. Dennoch gibt es andere Höhlen, die zusammen mit der malerischen Karststeinlandschaft Besucher magisch anziehen und dem Ort Phong Nha einen bemerkenswerten Aufschwung beschert haben. Noch vor 20 Jahren mussten die Bewohner ohne Autobahn-Anbindung und Elektrizität leben – heute verdienen die gleichen Jäger und Wilderer, die früher durch die ausgedehnten Wälder Phong Nhas gestreift sind, ihr Geld mit dem Tourismus – ohne dass der Nationalpark jedoch stark überlaufen wäre. Es handelt sich, trotz gut ausgebauter Infrastruktur, immer noch um einen Geheimtipp bei Vietnam-Urlaubern, den ich mir nicht entgehen lassen wollte.

Ich nahm den Zug von Huế nach Dong Hoi, wo ich wegen schlechtem Wetter einen Tag verbrachte, bevor ich mit dem Bus die kurze Strecke nach Phong Nha fuhr. Bereits auf der Fahrt fiel mir auf, wie sich die Landschaft veränderte, ländlicher und grüner wurde und die ersten bewaldeten Kalksteinfelsen auftauchten. Im Ort Phong Nha schließlich fällt der Blick auf die Felsen (darunter einer mit dem Namen der Stadt). Dies ist aber nur ein Vorgeschmack auf die Schönheit, die Besucher in diesem schmalen Landstrich an der Grenze zu Laos erwartet!

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Ich vergeudete keine Zeit und mietete in meinem Hostel einen Motorroller. Nur kurz voll tanken und los sollte die Fahrt durch den Nationalpark gehen – am Ufer eines malerischen Flusses entlang, über verkehrsberuhigte aber dennoch gut ausgebaute Landstraßen. Hier muss man sich über hupende Autos und Lkws keine Gedanken machen – auf die Straße laufende Hunde und Hühner stellen eine größere Gefahr dar – zusammen mit Herden von Kühen, die den Weg versperren und Fahranfänger-Touristen, die so durch die Schönheit der Landschaft geblendet sind, dass sie sich gerne mal zu weit in die Kurven lehnen. Der exzessive Gebrauch der Hupe, besonders an unübersichtlichen Stellen, empfiehlt sich! Es ist allerdings tatsächlich schwer, sich auf die Straße zu konzentrieren bei einem Anblick wie auf den Bildern unten. Alle fünf Minuten kam ich an eine Stelle, die noch ein besseres Fotomotiv bot als die letzte, so dass ich mich zwingen musste, endlich weiter zu fahren, ohne ständig nur Fotos zu schießen!

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Das Leben am Fluss geht seinen ruhigen Gang.

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Phong Nha mit dem Motorroller zu erkunden, ist ein besonderes Erlebnis.
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Hinter jeder Ecke bietet sich ein weiterer atemberaubender Anblick.

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Mir stand der Sinn nach einer Wanderung in dieser malerischen Landschaft, die wie aus einer anderen Welt zu stammen schien. Leider ist das Wandern ohne Guide weder offiziell erlaubt noch empfehlenswert (es gibt keine öffentlichen Wanderwege und das Terrain ist sehr unzugänglich und gefährlich). Die Touren, die angeboten werden, beginnen erst ab 1.300.000 Dong (46,40 Euro) – eine Summe, mit der ich als Rucksacktourist gerne einmal 2 volle Tage überleben könnte. Diese Option schied für mich also aus. Zum Glück gibt es den Botanic Garden – ein weitläufiges Areal, in dem man nach Herzenslust wandern kann ohne die Gefahr, sich zu verlaufen. Highlight des Wanderwegs ist ein Wasserfall, außerdem gibt es ein kleines Dokuzentrum, ein Affengehege, eine Baumschule und mehrere Aussichtsplattformen. Der Eintritt kostet 40.000 Dong (1,40 Euro) und auch ein günstiges Restaurant findet sich dort. Mir hat das Wandern im Park sehr gut gefallen. Es gibt drei unterschiedlich lange Wanderwege, von denen der längste etwa 3 Stunden dauert. Die Artenvielfalt, die dichte Flora und die vielen Schmetterlinge sind beeindruckend und vom Wasserfall – bei dem man leider nicht schwimmen kann – hat man eine herrliche Aussicht auf das bewaldete Tal.

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Für auserlesene Besucher schlägt der Pfau am „Peacock Viewpoint“ auch mal ein Rad.
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Blick auf die Straße im Tal.
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Der Weg zum Wasserfall ist etwas rutschig, aber gut gesichert…
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…und die Aussicht entschädigt für den anstrengenden Aufstieg.

Die Hauptattraktion Phong Nhas sind für viele definitiv die Höhle. Ich habe aus Kostengründen nur eine Höhle besucht, für Touristen stehen aber mehrere zur Auswahl:

Die Phong Nha Höhle befindet sich am nächsten zum Ort und ist nur über den Fluss zu erreichen. Das Boot kostet 360.000 Dong (13 Euro), man kann die Kosten aber durch die Anzahl der Passagiere teilen (maximal 8).

Die Tien Son Höhle befindet sich gleich neben der Phong Nha Höhle. Wenn man ohnehin das Boot zu dieser Höhle nimmt, kann man den Eintritt in die Tien Son Höhle dazubuchen.

Dark Cave ist mit 450.000 Dong (16 Euro) die teuerste Höhle in Phong Nha, bietet jedoch auch das vielfältigste Programm. Der Ausflug beginnt mit einer Zip-Line zur Höhle, dann schwimmt man 200 Meter zum Eingang der Höhle, wo man ein Schlammbad nimmt. Anschließend geht es in die Höhle, die jedoch nicht so weitläufig ist, wie die

Paradise Cave: die Höhle, für die ich mich entschieden habe. Der Eintritt kostet 250.000 Dong (9 Euro) und man kann mit dem Roller hinfahren. Nach einem kurzen Fußweg, den man gegen Aufpreis auch mit dem Elektroshuttle zurücklegen kann, und einem knackigen Aufstieg betritt man die Höhle, die wirklich recht weitläufig ist. Die Paradise Cave hat ihren Namen nicht zu Unrecht: Der riesige Komplex ist wunderschön ausgeleuchtet und beherbergt einige sehr interessante Tropfsteinformationen. Zwar nicht die größte Höhle, die ich besucht habe, jedoch bestimmt die vielfältigste.

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Das Wandern und der Besuch der Höhle waren sehr lohnenswert – das Highlight für mich war es jedoch, einfach mit dem Roller ganz entspannt durch den Phong Nha–Nationalpark zu fahren und den weiten Ausblick über die wunderschöne Landschaft zu genießen, ab und zu an zu halten und die Umgebung mit ihrer Stille einfach nur auf mich wirken zu lassen. Durch meinen Trip auf die Philippinen war ich schon viele herrliche Naturkulissen gewohnt, doch die Pracht, die sich mir hier darbot, stellte alles Bisherige in den Schatten. Ich hoffe, die Bilder geben zumindest einen ungefähren Einblick, wie malerisch diese fast unberührte Gegend ist. Möge dies, trotz steigender Touristenzahlen, auch in Zukunft so bleiben!

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Wer von Botanic Garden kommend nach der Kreuzung weiterfährt, kommt zu einem Kriegerdenkmal…
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…und einem Tempel für die Gefallenen des Vietnamkrieges.

Huế

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Huế ist der Name der alten vietnamesischen Kaiserstadt, Regierungssitz der Nguyễn-Dynastie (1802–1945) und bis 1945 Hauptstadt des Landes. Für Touristen ist sie besonders wegen der Zitadelle interessant – einer Stadt innerhalb der Stadt, die dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Peking nachempfunden und während der Tet-Offensive im Vietnamkrieg schwer beschädigt wurde.

Mit dem Zug lässt sich Huế von Đà Nẵng aus bequem in 2,5 Stunden erreichen, die Option soft seat bietet genug Beinfreiheit und Stromanschluss an Bord. Vom Bahnhof aus ist es nicht weit zur Zitadelle und zu den vielen Hostels, die sich in nächster Nähe befinden. Außerhalb der Verbotenen Stadt fand ich Huế auf keinen Fall der Rede wert – die Stadt ist überfüllt, der Verkehr besonders chaotisch und alle fünf Minuten wird man gefragt, ob man Drogen kaufen will. Warum das ausgerechnet in Huế so ist, weiß ich nicht. Fest steht jedenfalls, dass die Stadt ein ernstes Drogenproblem, vor allem unter Jugendlichen, hat. Und anscheinend gibt es immer noch Touristen, die dumm genug sind, auf diese Abzocke hereinzufallen.

Früh morgens machte ich mich zu Fuß auf in Richtung Zitadelle auf der anderen Seite des Parfüm-Flusses. Das erste Wahrzeichen, an dem man vorbeikommt, ist Kỳ Đài, das dem Fluss zugewandte Fort mit dem Flaggenturm, der im Vietnamkrieg zerstört und durch einen Betonmast ersetzt wurde.

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Über den Parfüm-Fluss geht es zur Zitadelle von Hue
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Dieses Fort sollte einst die Verbotene Stadt beschützen.

Bevor man die Verbotene Stadt innerhalb der Zitadelle betreten kann, muss man sich ein Ticket für 150.000 Dong (5,30 Euro) kaufen. Danach geht man durch das Haupttor, das Noon Gate mit seinen fünf Eingängen (von denen der zentrale dem Kaiser allein vorbehalten war) und betritt den Vorplatz zum Thai Hoa Palast. Dieser ist meiner Meinung nach das schönste Gebäude der Verbotenen Stadt – vor allem der riesige mit Gold verzierte Innenraum mit seinen chinesischen Insignien ist sehenswert (was vielen Vietnamesen angesichts von Spannungen mit dem großen Bruder China nicht gefallen mag: die Nguyễn-Dynastie sah sich im Grunde selbst als chinesisch, modellierte ihre Hauptstadt anhand der chinesischen und zollte dem Kaiser von China symbolischen Tribut). Leider ist Fotografieren im Inneren nicht gestattet, darum hier ein Bild, das nicht von mir stammt.

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Der Thai Hoa Palast

Mit dem Palast hat man meiner Meinung nach auch das schönste Wahrzeichen der Verbotenen Stadt gesehen. Was folgt, sind große freie Flächen, die jedoch nicht besonders sehenswert sind. Die Bilder zeigen, dass Huế trotz der 40 Jahre, die seit dem Krieg vergangen sind, immer noch größtenteils eine Trümmerwüste ist, auch wenn der Wiederaufbau in vollem Gange ist. Neben einer Ausstellung über die Edikte der Nguyễn-Dynastie, die diese Blütezeit vietnamesischer Machtentfaltung in besonders strahlendem Licht erscheinen lassen, und einer sehr kunstvollen Drachenstatue (Symbol für die Kaiserwürde), gibt es hier im zentralen Teil der Verbotenen Stadt nicht viel zu sehen.

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Immer noch eine Baustelle – die im Krieg zerstörte Verbotene Stadt

Etwas außerhalb liegen einige kunstvoll verzierte Tore, durch die man Zugang zu den Gemächern der Kaiser-Mutter, der Ehefrauen und der Konkubinen hat. Insgesamt muss man für den Besuch der Verbotenen Stadt nicht mehr als zwei Stunden einplanen.

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Ich hatte noch etwas Zeit, bevor mein Zug fuhr, darum lieh ich mir für 40.000 Dong (1,4 Euro) ein Fahrrad aus und radelte zu einem weiteren Wahrzeichen der Stadt: der Thien Mu-Pagode, die 1601 auf einer Anhöhe über dem Parfüm-Fluss errichtet wurde. Die Pagode selbst ist nicht besonders eindrucksvoll. Mit ihrem siebenstöckigen Turm soll sie die höchste Pagode Vietnams sein, was ich nach meinem Besuch der riesigen Stupa in Ninh Binh jedoch bezweifle. Allerdings ist die Strecke zur Pagode am Parfüm-Fluss entlang ganz malerisch und wenig befahren. Außerdem befindet sich dort ein ungewöhnliches Ausstellungsstück: Das Auto, mit dem der buddhistische Mönch Thích Quảng Đức zu einer Straßenkreuzung fahren ließ, um sich aus Protest über die Diskriminierung von Buddhisten im Land selbst zu verbrennen.

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Insgesamt hatte ich einen halben Tag für Huế eingeplant und diese Zeit halte ich im Nachhinein für absolut ausreichend. Der Besuch der Zitadelle dauert nicht lange, auch für die Thien Mu-Pagode muss man nicht viel Zeit investieren. Mitreisende konnten mir die Gräber der Nguyễn-Kaiser etwas außerhalb des Stadtzentrums empfehlen, diese sollen ganz schön sein. Auch Thuan An Beach wurde mir ans Herz gelegt, ist aber sicher nicht der Hauptgrund, nach Huế zu reisen . Insgesamt hat mich Huế etwas enttäuscht, angesichts der Bekanntheit der Stadt hatte ich mehr erwartet: Die Verbotene Stadt ist zwar sehr weitläufig, aber architektonisch nicht sehr sehenswert. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass kein Stein in der Zitadelle mehr original ist, wird das Erlebnis noch einmal getrübt. Wenn ich die Wahl zwischen Hoi An und Huế hätte, würde ich mich jederzeit für ersteres entscheiden. Wer sich jedoch für die Geschichte der vietnamesischen Kaiserzeit interessiert, wird um einen Besuch Huếs kaum herumkommen.

Hội An

Mit dem Bus fuhr ich von der Metropole Đà Nẵng nach Hội An, einem kleinen, aber bei Touristen sehr beliebten Ort, nur eine Stunde entfernt. Hội An war früher eine bedeutende Hafenstadt, wichtig für den südostasiatischen Seehandel. Im 17. Jahrhundert verlor die Stadt rapide an Bedeutung im Vergleich zum 30 km entfernten Đà Nẵng – aus heutiger Sicht jedoch an Glücksfall für Hội An, denn so blieb die historische Altstadt sowohl von Modernisierungsversuchen als auch von Kriegsschäden verschont. Im Jahr 1999 wurde die Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und zieht seitdem Jahr für Jahr Tausende von Touristen an.

Ich stieg im Mr. Che Hostel nahe der Altstadt ab, das neben kostenlosem Frühstück auch mit Freibier von 18:00 bis 18:30 Uhr wirbt. Von dort aus sind es nur fünf Minuten zum historischen Zentrum Hội Ans. Zuerst musste ich mich entscheiden, ob ich ein Ticket für die Altstadt kaufen sollte, um Zutritt zu den Pagoden und Museen zu bekommen. Der Preis für das Ticket beträgt 150.000 Dong (5,40 Euro), die Verkäuferin versicherte mir, dass ich damit „many things“ anschauen könne. Nach dem Kauf sah ich, dass damit fünf Attraktionen gemeint waren, die man mit dem Ticket besichtigen kann. Nicht eingeschlossen ist der Besuch einer traditionellen Theaterveranstaltung im Hoi An Traditional Art Performance Theatre. Es gibt in der Altstadt definitiv mehr als fünf Attraktionen, darum versuchte ich, eine gelungene Auswahl zu treffen.

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Als erstes ging ich zum Pháp Bảo Temple, der wohl schönsten und farbenprächtigsten Pagode Hội Ans, etwas außerhalb der Altstadt. Der Tempel weist einen schönen, weitläufigen Garten auf und der Eintritt ist kostenlos.

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Danach besichtigte ich die Hainan Assembly Hall, die im Jahr 1851 von chinesischen Einwanderern aus der Provinz Hainan zur Versammlung und Anbetung erbaut wurde. Außerdem werden dort 108 chinesische Märtyrer verehrt, die als angebliche Piraten zu Unrecht hingerichtet worden waren.

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Das viele Herumlaufen durch die überfüllten und lauten Straßen der Altstadt (nein, sie ist nicht für den Fahrzeugverkehr gesperrt) hatte mich durstig gemacht, und so ging ich zur kostenlosen Teeprobe. Hier kann man Tee aus allen Regionen Vietnams und darüber hinaus probieren, erfährt etwas über die verschiedenen Sorten und kann auch Tee kaufen.

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Etwas lebendige Kultur sollte auch sein, darum machte ich mich auf den Weg zu einer traditionellen Sing- und Tanzvorführung. Allerdings war ich recht spät dran und konnte dementsprechend nur einen unvorteilhaften Stehplatz ergattern. Die Musik war interessant, für meine westlichen Ohren jedoch sehr gewöhnungsbedürftig.

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Mich faszinierte die Idee einer kleinen Hafenstadt, in der Händler aus verschiedenen Regionen Südostasiens auf engstem Raum zusammen lebten, ihre Bräuche und Traditionen mitbrachten, diese jedoch auch veränderten. Um mehr über die Lebensweise der Einwohner in früheren Zeiten zu erfahren, steuerte ich das Museum of Folk Culture an. Hier dokumentieren viele interessante Exponate die Geschichte der Stadt. Wer sich eher für die neuere Geschichte Hội Ans interessiert, dem kann ich das Hoi An Museum ans Herz legen.

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Ihre wahre Schönheit entfaltet die Altstadt übrigens erst nach Einbruch der Dunkelheit. Dann werden die Straßen von farbigen Lampignons erhellt und die Lichter der Bars und Restaurants spiegeln sich malerisch im Han-Fluss, während Touristen und Locals kleine Schiffe mit Teelichtern zu Wasser lassen. Einzig die Masse an Touristen trübt die romantische Stimmung ein wenig und das ist dann wohl auch mein größter Kritikpunkt an Hội An: Die Altstadt ist einfach zu überfüllt. Es würde schon helfen, Motorroller und Autos dort zu verbieten. Die Häuser mögen das Bild einer traditionellen südostasiatischen Hafenstadt gut erhalten wiedergeben – besonders schön anzusehen sind sie (von den bunten Lichtern abgesehen) jedoch nicht. Überall warten Händler, alles ist sehr touristisch. Auch ist die Altstadt sehr klein. In einer halben Stunde hat man sie abgeschritten und kann sich dann entscheiden, welche Örtlichkeiten man sich mit dem gekauften Ticket näher ansehen möchte.

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Mỹ Sơn

Am nächsten Morgen brach ich früh auf, um eine weitere Attraktion der Region zu besichtigen – die Tempelstadt Mỹ Sơn. Die meisten werden bereits von Angkor Wat gehört haben, dem riesigen Tempelkomplex, der von der Hochkultur der Khmer errichtet wurde. Die gleiche Hochkultur, in Vietnam Champa genannt, errichtete 50 km südwestlich von Hội An eine Tempelstadt, deren Überreste zwar bei weitem nicht an die Größe und Schönheit Angkor Wats heranreichen, aber allemal einen Besuch wert sind.

Mit dem Motorroller (den ich für 150000 VND im Hostel gebucht hatte) brauchte ich etwa 2 Stunden von Hội An, allerdings wollte ich auch eine ruhige Strecke nehmen, auf der ich etwas von der Landschaft und den kleinen Dörfern sehen konnte. Dafür sollte sich diese Strecke als perfekt erweisen – Dank dafür geht an hoanbikerental.com für die Route, die auch für Anfänger sehr gut befahrbar ist. Allerdings kam ich um 10:00 Uhr doch etwas später an als geplant, weshalb der Eingang der Ruinenstadt schon mit Touristen überschwemmt war. Es lohnt sich hier, wie bei den meisten Attraktionen Vietnams, möglichst früh zu kommen. Am Eingang entrichtet man den Eintrittspreis von 150.000 Dong (5,30 Euro) und hat dann die Wahl, kostenlos mit dem Elektro-Shuttle zu den Ruinen gefahren zu werden, oder die 2 km zu laufen. Ich entschied mich fürs Laufen, weil man so die wirklich schöne Landschaft noch besser bewundern kann. Oben angekommen warten ein Restaurant und ein Museum, in dem man mehr über Mỹ Sơn und die Champa-Kultur erfahren kann. Ich wollte jedoch endlich die Ruinen ansehen, die sich in verschiedenen Arealen befinden. Vor allem drei Areale werden von Touristen besucht, die restlichen Ruinen werden gerade noch von vietnamesischen und französischen Archäologen ausgegraben.

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Das Relief zeigt Shiva, den Hauptgott My Sons.

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Đà Nẵng

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Inhaltsverzeichnis

1. Drachenbrücke
2. Han Market
3. Kathedrale von Đà Nẵng
4. Pho Da Pagode
5. Trần-Thị-Lý-Brücke
6. Marble Mountains
7. My Khe Beach
8. Green Lake
9. Linh Ung Pagode


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Es wurde Zeit für mich, den Süden Vietnams hinter mich zu lassen und ein gutes Stück auf meinem Weg nach Hanoi zurück zu legen. Ich wollte nach Đà Nẵng, einer Millionenstadt in Zentralvietnam, etwa auf halber Strecke zwischen Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi. Der schnellste Weg dorthin wäre das Flugzeug gewesen – einen Flug hätte ich bereits für 40 Euro bekommen. Da ich genug Zeit hatte, wollte ich jedoch eine andere Option ausprobieren: den Wiedervereinigungs-Zug, der seit 1995 von Süden nach Norden fährt und auch in Đà Nẵng Halt macht. Die Fahrt dauert 17 (!) Stunden und Reisende haben vier Optionen: harter Sitz, weicher Sitz, hartes Bett, weiches Bett. Die ersten beiden schieden für mich aus – schließlich wollte ich einigermaßen bequem schlafen. Die teuerste Option wollte ich dann aber auch nicht nehmen, sodass ich mich für das harte Bett entschied. Der Preis betrug umgerechnet 20 Euro, die Hälfte des Flugtickets etwa. Ob die gesparten 20 Euro die Strapazen der Reise jedoch wert waren, ist eine andere Frage.

Die Abteile des Zuges sind mit sechs Betten ausgestattet, von denen jeweils drei übereinander liegen. Natürlich hatte ich das oberste Bett, und natürlich war es nicht für Europäer gebaut! In diesem Moment war ich sehr froh, dass ich nur 1,75 Meter groß bin, dennoch war mein Schlafplatz sehr beengt und erinnerte mich stark an meine letzte Untersuchung im Computertomographen, oder alternativ an meinen Abstieg in die Cu Chi Tunnel. Das harte Bett ist übrigens wirklich hart – hier wird nicht zu viel versprochen. Der Zug besitzt Steckdosen, Toiletten und Waschbecken; wer hungrig ist, kann sich Maiskolben und andere Snacks kaufen. Die Fahrt war erträglich: Trotz des starken Schaukelns konnte ich ein paar Stunden schlafen. Die restliche Zeit lenkte ich mich mit Fernsehen ab und freute mich auf ein richtiges Bett, in dem ich mir nicht ständig den Kopf an der Decke anstieß.

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Nichts für Menschen, die an Platzangst leiden – der Wiedervereinigungs-Zug

Nach 17 Stunden konnte ich es kaum erwarten, den Zug zu verlassen, und ich machte mich auf den Weg in mein Hostel, das Hachi Hostel, Đà Nẵng. Das Hostel ist empfehlenswert, die Bedienung kompetent. Nur ein Frühstück ist nicht inklusive, was jedoch in den meisten Hostels in Vietnam zum Standard gehört.

Nach einer kurzen Mittagspause erkundete ich die Stadt. Đà Nẵng erinnert definitiv an Ho-Chi-Minh-City, ist mit seinen etwa 1 Millionen Einwohnern jedoch deutlich kleiner und weniger chaotisch. Die Straßen sind sehr sauber, die Gebäude modern, und man merkt, dass Đà Nẵng als bedeutende Hafenstadt das Prestigeobjekt der Zentralregierung Vietnams ist. Davon zeugt besonders ein beeindruckendes Wahrzeichen: die Drachenbrücke. Die erst 2013 fertig gestellte Brücke ist vor allem Nachts sehenswert. Dann erstrahlt die an einen Drachen erinnernde Konstruktion in bunten Farben und speit an bestimmten Tagen sogar Feuer.

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Auch in Đà Nẵng gibt es einen großen Markt, den Han Market, auf dem man vor allem Kleidung, Obst und Souvenirs findet. Die Händler dort sind angenehmerweise weniger aufdringlich als in Ho-Chi-Minh-Stadt. Wer zu Fuß in der Innenstadt unterwegs ist, kann, wie ich, noch die Kathedrale von Đà Nẵng und die Pho Da Pagode besuchen: Der Eintritt ist kostenlos und man kann ungestört von vielen Touristen den geschmückten Innenraum bewundern.

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Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man auch einmal über die Trần-Thị-Lý-Brücke südlich der Drachenbrücke laufen, deren Stahlträger nachts in ein buntes Farbenspiel getaucht werden. Bei einem Spaziergang an der fast menschenleeren Uferpromenade mit Blick auf die Lichter der Innenstadt ließ ich den Tag ausklingen.

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Tag 2: Marble Mountains, My Khe Beach, Green Lake & Linh Ung Pagode

Am nächsten Tag brach ich früh auf, um eine Hauptattraktion Đà Nẵngs zu besichtigen: die Marble Mountains. Dabei handelt es sich um fünf Berge im Süden von Đà Nẵng, die sich deutlich von der flachen Umgebung abzeichnen und die fünf Elemente Metall, Wasser, Feuer, Erde und Holz symbolisieren. Die Berge bestehen aus Kalkstein und Marmor. Aus letzterem stellten örtliche Steinmetze seit Jahrhunderten kunstvolle Statuen her und tun dies noch – auch wenn der Marmor jetzt größtenteils aus China und Pakistan importiert wird. Alle Berge beheimaten buddhistische Tempel und Schreine, die teilweise in Höhlen errichtet wurden.

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ein Skulpturengarten am Fuß der Marble Mountains
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Das Haupterzeugnis der Marble Mountains – religiöse Statuen aus Marmor

Besichtigen kann man übrigens nur einen der Berge, Thuy Son. Mit dem Taxi fuhr ich bis zum Fuß des Berges, suchte dann vergeblich den Eingang, stapfte mal wieder in anderer Leute (zugegebenermaßen wunderschönen) Vorgärten herum, bis mir der richtige Weg gewiesen wurde. Der Eintritt kostet 40.000 Dong (1,40 Euro), den Weg zum ersten Tempel kann man zu Fuß oder mit dem Fahrstuhl zurücklegen.

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Oben angekommen hat man verschiedene Optionen: Ich entschied mich dazu, zuerst die Haupthöhle zu besuchen, bevor die ersten Touristen ankamen. Und die Entscheidung war richtig! Die Atmosphäre in der menschenleeren Höhle mit ihrer aus dem Fels gehauenen Buddhastatue, den reich verzierten Schreinen, der leisen Musik und dem Duft der Räucherstäbchen war einmalig und sehr andächtig.

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Schnell war es jedoch vorbei mit der Besinnung. Um 09:00 Uhr kamen die ersten Busladungen mit Touristen an und der Berg füllte sich schnell. Ich besichtigte noch zwei andere Höhlen, die ich jedoch nicht der Rede wert fand, und wagte dann den Aufstieg zum höchsten Aussichtspunkt des Berges. Von dort hat man eine herrliche Aussicht auf die Stadt, das Hinterland und den Strand. Insgesamt kann ich die Marble Mountains nur weiter empfehlen. Zwar sind die Berge nicht besonders hoch, aber der Besuch Thy Sons hat mir gut gefallen: Die wunderschöne Tempelanlage, die beeindruckende Höhle und die vielen Marmorfiguren haben mir zwar nicht für Stunden gefesselt, aber ich hatte doch das zufriedene Gefühl, etwas in dieser Konstellation Einzigartiges gesehen zu haben.

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Eigentlich wollte ich anschließend zu My Khe Beach, dem bekanntesten Strand der Stadt. Auf dem Weg dorthin fiel mir jedoch auf, dass eine sehr breite Straße zu einem näheren Strandabschnitt führte, Sơn Thủy Beach. Dieser Strand hat mich wirklich positiv überrascht. Das Wasser war sauber und klar, der Sand weitgehend frei von Müll und – womit ich nicht mehr gerechnet hatte – der Strand war komplett menschenleer. Zur Zeit meines Besuches existierte auch noch nicht viel Infrastruktur an diesem Abschnitt, auch wenn gerade viele Hotels und Strandresorts gebaut wurden.

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Soll es auch noch geben – ein menschenleerer, sauberer Sandstrand

Weiter nördlich, am My Khe Beach findet man schon mehr Touristen, doch auch dieser Strand überzeugt durch Sauberkeit und weichen, feinen Sandstrand vor der Kulisse der Skyline und der Berge auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht.

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Sieht man in die Ferne, kann man bereits ein weiteres Wahrzeichen Đà Nẵngs sehen: die „Lady Buddha“ Statue in der Linh Ung Pagode, 9 km vom Strand entfernt. Dabei handelt es sich um eine 67 m hohe Darstellung Guanyins, des Boddhisatvas des Mitgefühls. Als mütterliche Figur, bei der alle Wesen Zuflucht und Trost finden, ist Guanyin ein beliebtes Objekt der Anbetung in Ostasien. In ihrer Rolle als Meeresgöttin wird sie vor allem von Fischern und Seeleuten angebetet, darum ist die 2010 fertig gestellte Statue auch dem Meer zugewandt und wacht über die Bucht zu ihren Füßen.

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Weithin zu sehen – die Lady Buddha Statue

Auf dem Weg zur Statue wollte ich ein weiteres Wahrzeichen Đà Nẵngs besuchen: den Green Lake. Dieser war zwar nicht so grün, wie ich erwartet (und in anderen Reiseberichten gelesen) hatte, jedoch trotzdem sehenswert. Bis auf ein paar angelnde Locals waren hier zur Mittagszeit keine Besucher.

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Wer jedoch einen wirklich malerischen See zu Gesicht bekommen will, sollte den Weg zur Lady Buddha Statue zu Fuß zurücklegen und nach etwa 20 Minuten einen kleinen Wanderweg einschlagen. Dort, nahe der Bucht, konnte ich unweit der Hauptstraße fast unberührte Natur erleben. Überhaupt hat mir die Landschaft mit ihren Hügeln, Steilküsten und Nadelbäumen sehr gefallen – ein willkommener Kontrast zu den Palmen und Dschungeln, die ich bisher gesehen hatte.

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Nach einer Schweiß treibenden, einstündigen Wanderung, bei der das lächelnde Antlitz Guanyins mich trotz unerträglich schwüler Hitze zum Weiterlaufen motivierte, war ich bei der Linh Ung Pagode angekommen. Der Tempelkomplex ist relativ neu und wurde erst 2010 fertig gestellt, auch wenn dort seit längerem ein buddhistischer Schrein steht. Hier kann man neben der Lady Buddha Statue auch den Hauptschrein sowie eine angrenzende mehrstöckige Pagode besichtigen.

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Wo der Boddhisatva des Mitgefühls steht…
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…kann auch der lachende Buddha nicht weit sein.

Nach dem Besuch des Tempels hatte ich das Gefühl, alle wichtigen Attraktionen Đà Nẵngs gesehen zu haben, und machte mich erschöpft, aber zufrieden auf den Weg zurück in mein Hostel. Mein finales Urteil?

Mir wurde von verschiedenen Seiten geraten, für das nahe gelegene Hoi An zwei oder drei Tage, für Đà Nẵng jedoch nur einen Tag einzuplanen. Diesem Ratschlag kann ich mich nicht anschließen. Đà Nẵng mag keine Touristenhochburg sein (zumindest noch nicht), bietet aber mit den Marmorbergen und der Linh Ung Pagode genug Aktivitäten für zwei Tage. Und wem nicht der Sinn nach Sightseeing steht, der kann auch einfach am wenig überlaufenen My Khe Strand entspannen oder über den Han Market schlendern. Đà Nẵng ist modern, sehr sauber und bietet moderate Preise. Mein einziges Manko, aber das kann man der Stadt kaum zum Vorwurf machen: Alles wirkt etwas zu groß für die tatsächliche Menge an Menschen. Damit meine ich nicht die Straßen: Diese sind auch hier zur Rush Hour vollgestopft. Ich meine eher die Fülle an Bars und Restaurants, die jedoch (zumindest unter der Woche) kaum besucht sind. Nach 22 Uhr fand ich nur eine Geisterstadt mit leeren Straßen vor, was am Wochenende anders sein mag, mich aber bei so einer Großstadt stark überrascht hat. Wer sich also mit einer Horde gleichgesinnter Backpacker ins Nachtleben stürzen will, ist in Ho-Chi-Minh-Stadt, Saigon, und sogar im unweit entfernten Hoi An besser aufgehoben. Trotzdem war Đà Nẵng für mich ein überraschend-lohnenswerter Stopp auf meiner Reise in den Norden Vietnams.

Mekong-Delta

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Weil ich schon einmal in Südvietnam war, wollte ich unbedingt das Mekong-Delta sehen, eine ausgedehnte Flusslandschaft, in der etwa 17 Millionen Menschen leben. Mich interessierte vor allem, wie die Menschen am und auf dem Fluss lebten, außerdem reizte mich die Landschaft und ich wollte einen schwimmenden Markt besuchen. Ein Tag erschien mir zu wenig – allein die Anreise von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Cần Thơ dauert 4 Stunden – darum entschied ich mich für eine zweitägige Tour. Der Trip wurde von meinem Hostel organisiert, darum weiß ich den Namen des Veranstalters leider nicht. Es war irgendetwas mit „AN Travel“, sicher bin ich mir jedoch nicht mehr. Auf jeden Fall sollte die Tour 30 Euro für 2 Tage kosten, inklusive Unterbringung im Homestay, Mittagessen und Abendessen. Zumindest am ersten Tag waren also alle Kosten abgedeckt, aber dazu später mehr.

Los ging es von Ho-Chi-Minh-Stadt aus mit dem akklimatisierten Reisebus, in dem ich wieder einmal den Beifahrersitz ergattern konnte. Unser Reiseführer stellte sich als Liem vor, wir durften ihn jedoch auch Slim oder Handsome Slim nennen. Ähnlich ausgefallene Witze zogen sich in gebrochenem Englisch für den Rest der Tour fort. Erster Stopp war Vĩnh Tràng, eine beeindruckende Tempelanlage und Ort dreier großer Buddhastatuen. Diese stellte uns Liem als Buddha der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft vor. Viel mehr Informationen waren aus unserem Reiseführer nicht herauszukitzeln. Da mir diese Figuren jedoch auf meiner Vietnamreise noch häufiger begegnen sollten, habe ich einmal über deren Hintergrund recherchiert.

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Dipankara, der Buddha der Vergangenheit – erlangte die Erleuchtung Tausende von Jahren vor dem jetzigen Buddha. Formt mit der Hand (seltsamerweise mit der linken) ein schützendes Handzeichen oder Mudra.

 

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Der liegende Buddha – eine Darstellung des historischen Buddha Shakyamuni, kurz bevor er in das Parinirvana, das Nirvana nach dem Tod des Körpers, eintritt.
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„Smiling Buddha“ oder „Fat Buddha“ – diese Statue kennt man aus vielen chinesischen Restaurants in Deutschland. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um den historischen Buddha Shakyamuni, sondern um Budai, eine Verkörperung des Maitreya. Dieser soll in einer fernen Zukunft, wenn die Lehre des letzten Buddha auf der Welt vergessen ist, auftreten und alle Wesen zur Erleuchtung führen.
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Was für ein Anblick! Und der Tempel im Hintergrund ist auch nicht übel.

 

Nach dem Tempel fuhren wir mit dem Bus weiter und gelangten bald endlich zum Ufer des Mekong, wo wir auf unser erstes Boot stiegen. Weit kamen wir jedoch nicht. Unser nächster Stopp war Unicorn Island, eine kleine Insel, auf der wir Honigtee probieren sollten. Der Tee, serviert mit Trockenfrüchten, war wirklich gut, wenn auch etwas süß. Der Honig soll übrigens alle möglichen Beschwerden heilen, von Herzproblemen bis Impotenz…

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Weiter ging es zur nächsten Insel, auf der wir tropische Früchte probieren durften. Die Kostprobe war wirklich gut, hier fiel mir jedoch bereits das Muster auf, nach dem diese Tour verlaufen sollte: Irgendwo hinfahren, kostenlos etwas probieren und dann zum Kauf animiert werden. Das hat etwas von Kaffeefahrt und erklärt wohl den günstigen Preis der Tour. Besonders gestört hat es mich jedoch nicht, da diese Dinge alle neu für mich waren und mich wirklich interessierten. Dennoch fühlte sich die Tour nach Massenabfertigung an: Alle Besucher werden wie durch eine Drehtür zu den gleichen Spots bugsiert, die Erfahrung ist für alle mehr oder weniger die selbe.

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Gleich nach der Kostprobe folgte jedoch eine sehr schöne Etappe: Wir stiegen auf ein kleines Ruderboot um, bekamen einen Strohhut aufgesetzt und wurden durch einen schmalen Kanal zu einem größeren Arm des Mekong gepaddelt. Die Fahrt war trotz der schwülen Hitze sehr entspannend und der Anblick des hoch bewachsenen Flussufers reizvoll. Dafür verzieh ich auch gerne die Spritzer schmutzigen Mekong-Wassers, die ich abbekam.

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Auf dem Hauptarm des Flusses angekommen, stiegen wir auf ein größeres Boot um und wurden – wie sollte es anders sein – zu einer weiteren Kostprobe gefahren. Diesmal sahen wir dabei zu, wie Kokosnuss-Bonbons hergestellt wurden und durften selbst welche probieren. Diese schmeckten mir so gut, dass ich dankbar eine Packung Bonbons erwarb, die mir vor allem auf der Zugfahrt nach Đà Nẵng das Leben retten sollten.

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Leider recht verdreckt und unspektakulär – der Mekong in der Nähe von Mỹ Tho.

Anschließend erhielten wir auf der gleichen Insel unser Mittagessen, entweder Reis mit Schweinefleisch, das im Tourpaket inbegriffen war, oder ein Fischgericht für 200.000 (!) Dong. Danach folgte die Mittagspause – Zeit zur freien Verfügung. Ich sah mir die Krokodile an, die wohl vor vielen Jahren einmal frei im Fluss herum geschwommen waren, jetzt jedoch in einem – wie sollte es in Vietnam anders sein – sehr engen Becken gehalten wurden und zur Belustigung der Touristen mit Fleisch gefüttert wurden. Anschließend legte ich mich in eine der Hängematten, bevor unsere Fahrt weiterging.

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Mit dem Bus fuhren wir weiter nach Cần Thơ, der größten Stadt im Mekong-Delta. Allerdings sahen wir nicht viel von der Stadt: Es war bereits früh am Abend und Zeit, in unsere Unterkunft zu gehen. Unsere Gruppe teilte sich in zwei Hälften: Die einen hatten ein Zimmer im Hotel gebucht (das praktischerweise der Organisation gehört, die auch die Touren anbietet), die andere Hälfte, zu der auch ich gehörte, war in einem Homestay untergebracht. Also ging es wieder auf ein kleines Boot, diesmal ein motorisiertes, und wir fuhren einen Nebenarm des Mekong entlang zu unserem Homestay. Die Fahrt hat mir gut gefallen, besonders weil außer dem Motor nur das Zirpen der Grillen zu hören war. In der abendlichen Dämmerung im Schatten der Baumwipfel hatte ich fast das Gefühl, wie in Apocalypse Now flussaufwärts ins Herz der Finsternis zu fahren. Unser Homestay entpuppte sich dann aber zum Glück nicht als finstere Absteige, sondern war sehr gemütlich, mit großen Zimmern, Moskitonetzen (die man so nah am Fluss auch braucht) und einem sehr leckeren Abendessen: Wir konnten unsere eigenen Frühlingsrollen mit Reispapier zubereiten, dazu gab es Gemüse, gekochten Fisch und Mango zum Nachtisch. Eine Flasche Reiswein für 40.000 Dong (1,43 Euro) in geselliger, internationaler Runde machte den Abend perfekt.

 

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn nach dem Frühstück um 06:00 Uhr stand noch ein Besuch des schwimmenden Marktes an: für mich einer der Hauptgründe, das Mekong-Delta zu besuchen. Vorgestellt hatte ich mir das:

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Quelle: Wiki Commons

Bekommen hatte ich das:

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Zugegeben: Der Reiseveranstalter hatte nicht zu viel versprochen: Es handelte sich definitiv um einen Markt, und die Verkäufer kamen mit Booten. Also war es ein schwimmender Markt. Natürlich war der Markt nicht so farbenfroh und traditionell wie das oben zu sehende Foto aus Thailand. Aber mal im Ernst – der Mekong ist ein großer Fluss und warum sollten die Händler noch mit kleinen Ruderbooten herumpaddeln, wenn sie ihre Ware mit Motorbooten viel schneller und einfacher an den Mann (und an Touristen) bringen können? Der Markt war trotzdem eine spassige Erfahrung: Viele Mangos und Kokusnüsse wanderten von den schwimmenden Verkaufsständen in unser Boot; ich gönnte mir einen Kaffee für 20.000 Dong (0,70 Euro) – auch nicht teurer als auf dem Festland. Unterhaltungswert hatte der Besuch des Marktes auch, da uns eine ältere vietnamesische Händlerin gute 10 Minuten von ihrem Boot aus beschimpfte, weil wir nichts bei ihr gekauft hatten. Ein Foto habe ich aus Sicherheitsgründen nicht gemacht – auf den Kamikaze-Angriff einer wütenden Seniorin mit anschließendem Bad im verdreckten Mekong konnte ich gerne verzichten.

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Der schwimmende Markt ist nicht nur für Touristen – viele Einheimische kaufen und verkaufen dort Produkte.

 

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Der schwimmende Markt war dann auch die letzte große Station an diesem zweiten Tag: Wir steuerten mit unserem Bus noch einen Rastplatz an, wo wir Delikatessen wie gebratene Froschschenkel und Schlange probieren und einen kleinen Becher Kokusnussschnaps versuchen konnten. Die Froschschenkel waren knusprig und ohne besonderen Eigengeschmack, der Kokusnusswein kräftig, aber mild. Anschließend ging es zu einer ausgedehnten Obstplantage, auf der unser Guide uns die verschiedenen (teilweise riesigen) Früchte zeigte, bevor wir – oh Wunder! – selbst ein paar Früchte erstehen konnten. Die Preise waren unverschämt hoch und die Händler ließen, anders als auf vielen vietnamesischen Märkten – nicht mit sich feilschen. Und warum sollten sie auch? Selbst wenn ich nichts kaufte – die nächste Reisegruppe voller Touristen mit vollen Geldbeuteln und nur vagen Kenntnissen des Wechselkurses war bereits auf dem Weg. So teilte ich mir eine Drachenfrucht für 20.000 Dong mit zwei Engländern und hatte so auch Geld gespart.

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Örtliche Delikatessen – Froschschenkel, Schlange und getrockneter Fisch

Auf dem Rückweg nach Ho-Chi-Minh-Stadt machten wir wieder Halt beim Hotel, wo wir unser Mittagessen in einem Restaurant zu uns nahmen, das clevererweise dem gleichen Veranstalter gehörte. Eine andere Option gab es nicht, und zahlen mussten wir diesmal auch selber. Wie bei den Cu Chi Tunneln musste ich hier wieder über die Geschäftstüchtigkeit der Vietnamesen staunen: Wenn man wirklich Geld machen will, dann lohnt es sich wohl, alles aus einer Hand anzubieten: Touren, Restaurants, Hotels – dann lässt man den Gästen keine Wahl und kann die Preise diktieren. Fairerweise muss ich aber dazu sagen, dass die Preise im Restaurant nur leicht über dem Durchschnitt lagen und das Essen wirklich gut war.

Und so hinterließ mich meine Tour im Mekong-Delta auch mit einem deutlich positiven Gefühl, und das nicht nur aufgrund unserer tollen Reisegruppe. Ja, die Tour hat definitiv Kaffeefahrt-Charakter, und wenn man mehrere davon macht, wird es sich kaum vermeiden lassen, dieselben Touristenfallen mehrmals anzusteuern. Und dann kann es sicherlich ermüdend sein, sich zum fünften Mal anzusehen, wie Reispapier hergestellt und Papayas angebaut werden. Aber für mich war, wie gesagt, alles noch neu und so fügte ich mich der Tatsache, dass alles auf dieser Tour streng durchgetaktet war und ich keine eigenen Entscheidungen treffen konnte (oder musste). Auch das kann ganz angenehm sein und vermieste mir die Erfahrung im Mekong-Delta überhaupt nicht.

Die Flusslandschaft an sich ist auch durchaus interessant anzusehen, man sollte jedoch keine überwältigenden Naturkulissen erwarten, zumindest nicht überwiegend. Es handelt sich um eine hoch entwickelte, dicht besiedelte Region; dementsprechend ist der Mekong auch eine trübe, braune Kloake und stark zugemüllt. Einige Ecken auf unserer Tour waren jedoch ganz reizvoll und vor allem war es für mich als deutscher Flachlandbewohner faszinierend zu sehen, wie die Menschen an den Ufern dieser gigantischen Lebensader wohnen und arbeiten.

Cu Chi Tunnel

Wie schon erwähnt, spielt der Vietnamkrieg (1955–1975) immer noch eine wichtige Rolle im kollektiven Bewusstsein der Vietnamesen. Im War Remnants Museum in Ho-Chi-Minh-Stadt kann man sich über diesen Konflikt informieren. Wie das Leben im Krieg für die tausende Soldaten der nordvietnamesischen Armee in Südvietnam (Vietcong) aussah, erfährt man bei den Cu Chi Tunneln, 70 km von Ho-Chi-Minh-Stadt entfernt. Bei den Tunneln handelt es sich um ein Netzwerk, durch das nordvietnamesische Guerillas nach Südvietnam einsickerten. Mit seiner Nähe sowohl zum benachbarten Kambodscha als auch zu Saigon war das Tunnelsystem, das inmitten ausgedehnter Kautschukplantagen liegt, die ideale Basis für Angriffe auf die Hauptstadt Südvietnams. Dementsprechend hart umkämpft war das Gebiet. US-Amerikanische und südvietnamesische Soldaten versuchten mit allen Mitteln, die Tunnel zu lokalisieren und zu zerstören, während Vietcong-Kämpfer ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem übermächtigen Gegner spielten und dabei viel Einfallsreichtum an den Tag legten.

Die Auswahl an Touren ist groß: Ich entschied mich für die halbtägige Tour mit Vietnam Travel Group für etwa 15 Euro. Man kann auch Touren für mehr oder weniger Geld bekommen, ich fand den Preis jedoch angemessen. Abholung beim Hostel, akklimatisierter Van und ein Mittagessen waren im Preis inbegriffen und der Kaffeefahrt-Faktor (mehr dazu im Beitrag über die Mekong-Delta-Tour!) hielt sich in Grenzen. Auch war unser Guide, Joey, sehr freundlich, motiviert und kompetent.

Die Fahrt zu den Tunneln dauert je nach Verkehrslage 1–2 Stunden, wir machten jedoch einen Zwischenstopp bei einem Rastplatz – nicht nur, um den „Happy Room“ aufzusuchen, sondern auch um eine Kunstwerkstatt zu besuchen, die von Opfern des Entlaubungsmitteln Agent Orange betrieben wird. Die Invaliden stellen dort aus natürlichen Zutaten wie Eierschalen und Muschelschalen beeindruckende Kunstwerke her, die man im Shop des Atteliers käuflich erwerben kann.

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Bei den Tunneln angekommen, die bereits mit Massen an hauptsächlich japanischen Touristen überfüllt waren, sahen wir uns zuerst eine „Dokumentation“ über die Geschichte der Tunnel während des Krieges an, die jedoch eher an Kriegspropaganda erinnerte und die Errungenschaften besonders ausgezeichneter „American Killer“ feierte. Eine ausgewogene Beleuchtung der Kriegsverbrechen beider Parteien sucht man hier, wie auch in Ho-Chi-Minh-City, vergebens. Danach führte uns Joey durch einen Kautschukwald und zeigte uns verschiedene Nachbauten aus der Kriegszeit. Sehr erschreckend fand ich die Fallen, die von den Vietcong-Soldaten gelegt wurden, um die amerikanischen Soldaten zu dezimieren – darunter getarnte Falltüren mit angespitzten Bambuspflöcken und tödliche schwingende Pendel.

 

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Möchte man nicht an den Kopf bekommen – eine mit Nageln gespickte schwingende Kugel

Die Genialität der Nordvietnamesen beschränkte sich jedoch nicht auf das Legen von Fallen: Ausgeklügelte Belüftungssysteme, unterirdische Werkstätten und Küchen, sogar Schuhe, die verkehrt herum beschlagen waren, um den Gegner in die Irre zu führen, zeugen von einem Einfallsreichtum, der die größte Supermacht der Welt trotz technischer Überlegenheit nicht viel entgegen zu setzen hatte.

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Auch einen zerstörten amerikanischen Panzer kann man besichtigen und erklettern.

Wenn man die Exponate abschreitet, kann man aus der Ferne bereits Schüsse hören. Diese stammen von einem Schießplatz, auf dem man selbst die Waffen aus dem Vietnamkrieg, darunter AK 47 und das amerikanische M60 Maschinengewehr ausprobieren kann. Für viele ist dies wohl ein Highlight der Tour – ich entschied mich jedoch dagegen. Zum einen fand ich den Preis von umgerechnet 25 Euro für 10 Patronen sehr teuer (weniger als 10 Kugeln sind nicht möglich); zum anderen hätte ich ein komisches Gefühl gehabt, in der Gegenwart eines Mitglieds unserer Tour – eines australischen Vietnamveteranen – mit Gewehren herumzuspielen, die er eventuell im Ernstfall benutzen musste. Der Schießstand war für mich auch ein perfektes Beispiel dafür, wie die Vietnamesen mit ihrer Kriegsvergangenheit umgehen: Einerseits werden die Kriegsverbrechen des Westens schonungslos und in ernstem Ton dokumentiert; andererseits hat man kein Problem, westliche Touristen bei einem Mahnmahl des Krieges „Rambo-Man“ spielen zu lassen, was die Ernsthaftigkeit der Geschichtsaufarbeitung etwas trübt. Man stelle sich einmal vor, französische Fremdenführer würden beim Denkmal der Schlacht von Verdun einen Schießplatz aufstellen und damit Geld verdienen. Doch das hier ist Vietnam und derselbe Einfallsreichtum, mit dem die Vietnamesen vor 40 Jahren die Feinde aus dem Land getrieben haben, spült heute das Geld in die Kassen der Tourismusindustrie. Und wer hätte schon das Recht, das zu kritisieren?

Während einige Mitglieder meiner Gruppe also ihren juckenden Abzugsfinger befriedigten, sah ich mir mit den Anderen an, wie Reispapier hergestellt wird – ein friedliebendes, nicht ganz passendes, aber interessantes Kontrastprogramm.

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Auf Bambusmatten wird das Reispapier zum Trocknen ausgelegt.

Weiter ging es mit meinem persönlichen Highlight: Endlich durften wir selbst in die Tunnel steigen, in denen die vietnamesischen Kämpfer einst gelebt hatten. Die Tunnel wurden extra für westliche Touristen breiter gebaut, sind aber trotzdem so eng, dass man nur gebückt laufen kann. Die schwüle Hitze trägt zum beklemmenden Gefühl bei und nur 20 Meter im Tunnel brachten mich heftig ins Schwitzen. Dafür wurden wir nach unserem Aufstieg ans Tageslicht mit einer örtlichen Delikatesse belohnt: Dem Cu Chi Hamburger. Dabei handelt es sich um gekochte Manjok-Wurzel, ein Hauptnahrungsmittel der Vietcong-Kämpfer im Krieg. Mit gemahlenen Erdnüssen und Zucker auch gar nicht übel.

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Bevor es zurück zum Van ging, zeigte uns Joey noch einen der Eingänge, durch die die Kämpfer damals die Tunnel betraten. Jeder von uns durfte sich einmal durch den engen Eingang zwängen und die getarnte Falltür hinter sich zumachen. Ein sehr enges Erlebnis, aber durchaus spaßig. Auf dem Rückweg nach Ho-Chi-Minh-Stadt erhielten wir schließlich unser Mittagessen und ich machte mich auf den Weg zum Hostel. Insgesamt kann ich die Tour nur empfehlen. Die Cu Chi Tunnel sind ein Muss, wenn man in Ho-Chi-Minh-City ist und eine wichtige Episode der Vietnamesischen Geschichte hautnah erleben will, anstatt sie nur im Museum kennen zu lernen.

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Ho-Chi-Minh-Stadt

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Es wurde Zeit für mich, El Nido und den Philippinen auf Wiedersehen zu sagen. Vorher stand jedoch noch ein Flug nach Manila an – vom kleinsten Flughafen, den ich je gesehen hatte. So weit ich weiß, wird El Nido nur von einer Airline angesteuert – Air Swift. Die Suche nach dem richtigen Gate gestaltet sich dementsprechend einfach. Die Entfernung von El Nido nach Ho-Chi-Minh-Stadt ist nicht dramatisch – dennoch sollte es (mit Aufenthalten in Manila und Kuala Lumpur und einer dreistündigen Verspätung) knapp 20 Stunden dauern, bis ich endlich vietnamesischen Boden berührte! Die Einreise, das Geldabheben und der obligatorische Kauf einer SIM-Karte gestaltete sich dann dankenswerterweise recht unkompliziert. Trotzdem war ich froh, als ich endlich von meinem freundlichen Uber-Fahrer beim Himalaya Phoenix Hostel (das ich sehr empfehlen kann!) abgesetzt wurde.

Ho-Chi-Minh-Stadt, ehemals Saigon genannt, ist seit 1975 die Hauptstadt des wiedervereinigten Vietnams und die größte Stadt des Landes. Die Metropole besteht aus 19 Distrikten – die meisten Reisenden werden sich jedoch hauptsächlich im ersten Distrikt aufhalten. Hier im Zentrum der Stadt befinden sich die meisten Touristenattraktionen, Hotels und Hostels. Der Disktrikt ist nicht zu groß, um zu Fuß erkundet zu werden, und so suchte ich mir eine schöne Route aus, um die wichtigsten Attraktionen abzuschreiten. Beim Laufen bestätigte sich mein Eindruck vom Vortag: Ho-Chi-Minh-Stadt ist eine riesige, laute, überfüllte Stadt, jedoch meiner Meinung nach nicht auf unangenehme Weise. Auf meinem verrückte-Großstadt-Index würde sie noch deutlich unter Mumbai rangieren, etwa gleichauf mit Manila. Einschüchternd ist natürlich der Verkehr: Auf den Straßen tummeln sich unzählige Motorroller neben den wenigen Autos und das Überqueren der breiten Straßen kann zur Herausforderung werden. Meiner Erfahrung nach hat der Wahnsinn auf den Straßen jedoch Methode und man bekommt mit der Zeit ein Gefühl dafür, auch als Fußgänger im Verkehrsfluss mit zu fließen. Auch wenn die Luft von den vielen Vehikeln stark verpestet ist, gibt es viele Bäume und Parks, und die Stadt hat definitiv ihre schönen Seiten.

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Mein erster Anlaufpunkt war der Ben Thanh-Markt. Ohne Anstalten, etwas zu kaufen, schlenderte ich durch den geschäftigen Markt – beziehungsweise versuchte ich zu schlendern. Die Verkaufsversuche der Händler waren jedoch derart penetrant, dass ich schnell einen Gang zulegte. Hier bekommt man alles von Fisch, über Gemüse bis Kleidung, Schmuck und Kunstwerke. Kann man sich einmal ansehen, wenn man ohnehin in Distrikt 1 ist.

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Wer Trockenfrüchte mag, kann hier gleich kiloweise zuschlagen!

Es ging weiter zum Wiedervereinigungspalast. Das geschichtsträchtige Gebäude kann man auch von innen besichtigen – der Preis von 40.000 VND (1,4 Euro) erschien mir jedoch etwas zu hoch. Diese Meinung wurde von anderen Reisenden, die ich in Ho-Chi-Minh-Stadt traf, bestätigt.

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Ich wollte dieses Geld lieber für eine andere Attraktion ausgeben, auf die ich sehr gespannt war: Das War Remnants Museum. Obwohl der Vietnamkrieg nun bereits seit über 40 Jahren vorbei ist, wird man noch an vielen Orten in Distrikt 1 daran erinnert – sei es in Form von Mahnmahlen oder Plakaten. Im War Remnants Museum erfährt man mehr über den Krieg, der über 3 Millionen Vietnamesen das Leben kostete und für die Supermacht USA die größte Demütigung ihrer Geschichte darstellte. Das Museum bietet neben Exponaten wie Flugzeugen, Hubschraubern und Waffen auch eine Sonderausstellung über ein Kriegsgefangenen-Lager in Saigon. Diese stellt die grausame Behandlung der Gefangenen in den Vordergrund und ist definitiv nichts für schwache Nerven. Insgesamt sind viele der Ausstellungen – etwa über Kriegsverbrechen und die Auswirkungen des Entlaubungsmittels Agent Orange – sehr bedrückend und verstörend. Etwas Vorwissen über den Vietnamkrieg sollte man ebenfalls mitbringen, da ein grober historischer Überblick kaum gegeben wird. Einen Großteil der Sammlung machen Kriegsfotografien aus, die wirklich sehr interessant, in ihrer Fülle jedoch erschlagend sind. Das Museum bemüht sich, auch die amerikanische Perspektive auf den Krieg zu zeigen – etwa in der Sonderausstellung über die Anti-Kriegs-Bewegung in den USA – bleibt dabei jedoch recht einseitig. Dies soll nicht als Vorwurf gemeint sein oder einen der schlimmsten Aggressionskriege der neueren Geschichte verharmlosen. Französische und amerikanische Kriegsverbrechen zu dokumentieren, ist wichtig zur Aufarbeitung dieses Konflikts. Informationen zu nordvietnamesischen Kriegsverbrechen – etwa Gräueltaten gegen die eigene Bevölkerung, systematische Exekutionen von Zivilisten während der Tet-Offensive und die Misshandlung amerikanischer Kriegsgefangener sucht man im Museum jedoch vergeblich. Es wäre natürlich auch unfair, westliche Standards auf die vietnamesische Regierung anzuwenden, die den Vietnamkrieg als triumphales Symbol und auch als Einnahmequelle braucht – wie der Bericht über meinen Besuch der Cu Chi Tunnel näher beleuchten wird.

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Während des Krieges wurden über 7 Millionen Tonnen Bomben über Vietnam abgeworfen.

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Nach dem War Remnants Museum ging es weiter zum Phuoc Hai Tempel, auch als Jade-Kaiser-Pagode oder Schildkrötenpagode bekannt. Der buddhistische Tempel ist nicht besonders groß, aber besonders im Innenraum sehr prächtig gestaltet. In einem kleinen Becken kann man Schildkröten ansehen, die jedoch ein recht trostloses Dasein fristen. Insgesamt ist mir die nicht-artgerechte Haltung von Tieren während meines Aufenthalts in Saigon noch öfter aufgefallen. Trotzdem ein interessanter Ort, an dem man sich von der Hektik der Hauptstraßen erholen kann.

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Nach einem letzten Abstecher zu Notre Dame, der Kathedrale Saigons, die aber leider geschlossen war, machte ich mich zurück auf den Weg zum Hostel.

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Das Postamt von Saigon am Ende der Walking Street

Wer nachts in Distrikt 1 unterwegs ist und einen unvergesslichen Blick auf die Lichter der Großstadt genießen will, dem kann ich die Air 360 Sky Lounge ans Herz legen. In luftiger Höhe kann man dort essen, trinken und die Skyline bestaunen. Doch Backpacker aufgepasst: Mit Flip Flops und Shorts kommt man dort nicht hinein, auch nicht mit Diskussionen. Turnschuhe sollten es mindestens sein und auch dann wird man sich in der Bar neben den Locals, der High Society von Saigon, sehr schäbig vorkommen. Die Happy Hour ist von 18:00 bis 21:00 Uhr. In dieser Zeit bekommt man locker zwei Cocktails für 5 Euro – teuer für Saigon aber unschlagbar, wenn man die Location berücksichtigt!

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Wer weiterfeiern will, den wird es auf die berühmte Walking Street ziehen. Vergleiche mit Khaosan Road in Bangkok liegen nahe – hier reiht sich Bar an Bar, Restaurant an Restaurants, Tausende von Touristen und Locals drängen sich durch die Straße, die für Autos gesperrt ist. Ein Haufen bildhübscher Vietnamesinnen stehen bereit, sich als „Freundinnen“ westlicher Besucher anzubieten, und ich wage zu behaupten, man kann in dieser Straße so ziemlich alles bekommen, wenn man nur richtig fragt. Ich hatte eine zweitägige Tour im Mekong-Delta vor mir, so begnügte ich mich mit ein paar Drinks und Billard, bevor ich mich auf den Rückweg in mein Hostel machte. Insgesamt gefällt mir Ho-Chi-Minh-Stadt sehr gut, besonders zum Ausgehen, und ich hätte kein Problem damit, hier noch 1, 2 Tage mehr zu verbringen.

El Nido (Palawan)

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El Nido

Meine Zeit in den Philippinen neigte sich dem Ende zu und es wurde Zeit, für mein letztes Ziel: der Ort El Nido im Norden Palawans. Die Fahrt mit dem akklimatisierten Van dauerte ungefähr vier Stunden. In El Nido angekommen, mussten wir uns erst ein Zimmer suchen. Hier fielen mir bereits die im Vergleich zu Port Barton deutlich höheren Preise auf. Außerdem muss ich sagen, dass mir El Nido von allen Städten, die ich auf den Philippinen besucht habe, am wenigsten gefallen hat. Der Ort ist mir zu vollgepackt mit Touristen, zu eng, zu verschmutzt, zu teuer. Er ist weder architektonisch schön, noch ein Ort zum Entspannen, noch besonders gut geeignet zum Feiern. Im Grunde wäre El Nido nur ein überteuertes Nest, wenn da nicht diese Aussicht wäre…

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Die Stadt kann es sich leisten, teuer zu sein, denn sie liegt geografisch an einem der schönsten Orte Palawans, der Philippinen – ja wahrscheinlich ganz Südostasiens. Bereits in der Stadt fällt der Blick auf die majestätischen, dicht bewachsenen Kalksteinfelsen: Überbleibsel einer Zeit, als der Meeresspiegel viel höher war.

Ich wollte unbedingt einen besseren Blick auf diese Felsen und die Bucht von El Nido erhaschen – darum meldete ich mich und meine Begleiter zum sog. Canopy Walk an: Für 500 Pesos (7,5 Euro) kann man dort einen Felsen besteigen, wobei man immer gesichert ist. Das Risiko ist somit minimal, darum lohnt sich der Canopy Walk vor allem für unerfahrene Kletterer. Dabei kommt durchaus Adrenalin auf, z.B. wenn man (natürlich gesichert) eine wacklige Hängebrücke überqueren muss. Lange dauert der Ausflug in luftige Höhen übrigens nicht: Nach etwa 20 Minuten hatten wir die Aussichtsplattform erreicht, wo unser Tourguide noch ein Foto von uns machte. Dieses hätten wir unten angekommen käuflich erwerben können. Insgesamt ein spaßiges, wenn auch etwas kurzes Vergnügen und perfekt für einen angebrochenen Nachmittag. Wer mehr Erfahrung im Klettern hat, dürfte die Tour jedoch ziemlich langweilig finden und ist mit einer längeren Klettertour wohl besser beraten.

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Aussicht auf die Bucht von El Nido

Wir hatten noch ein wenig Zeit, bevor es dunkel wurde, also entschlossen wir uns, zu einem der schönsten Strände El Nidos zu fahren: Nacpan Beach. Die Fahrt dauert mit dem Tricycle etwa eine Stunde und ist aufgrund der schlechten Straßen sehr unbequem. Die holprige Fahrt lohnt sich jedoch, denn der Strand stellte wirklich alles in den Schatten, was ich bisher auf den Philippinen gesehen habe. Der Sand ist fein und blütenweiß und vor der Küste herrscht ein kräftiger Wellengang, der ein Bad im warmen Wasser umso spaßiger macht. Außerdem konnten wir hier einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten, bevor wir uns bei Einbruch der Dunkelheit auf den Rückweg zu unserem Hotel machten.

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Island Hopping in El Nido

Am nächsten Morgen wollten wir endlich das machen, wofür die meisten Touristen nach El Nido kommen: Island Hopping in der malerischen Bucht zwischen den imposanten Kalksteinfelsen. Hier hatten wir wieder die Qual der Wahl zwischen vier verschiedenen Touren. Wir entschieden uns für eine Tour mit fünf Inseln und einem ausgewogenem Angebot aus Schnorcheln, Höhlen und begehbaren Inseln. Mit dabei war ein Mittagessen und die Tour sollte pro Person etwa 1200 Pesos (18 Euro) kosten.

Es ging los mit Entalula Island. Hier machten wir einen Stopp zum Schnorcheln, wobei uns der Bootsführer vor den Quallen warnte. Die Warnung veranlasste ein paar Mitglieder unserer Gruppe, auf dem Boot zu bleiben, sollte sich jedoch als unberechtigt herausstellen. Der Spot war wunderbar geeignet zum Schnorcheln, auch wenn das Riff bei weitem nicht an die Unterwassergärten in Port Barton heranreichte.

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Als nächstes fuhren wir nach Snake Island. Wie bei Starfish Island in der Nähe Port Bartons handelt es sich dabei um eine Sandbank, die bei Flut komplett unter Wasser liegt, zur Zeit unseres Besuches jedoch begehbar war. Wenn man einen kurzen Weg durch die Mangrovensümpfe geht, gelangt man außerdem zu einem Aussichtspunkt, von wo aus man einen wunderschönen Blick über die Sandbank und die nahe gelegenen Inseln genießen kann.

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Auf der nächsten Insel sollten wir unser Mittagessen erhalten – zuvor jedoch stand ein Besuch der Cudugnon-Höhle an, in die man nur durch einen schmalen Eingang gelangt. Die Höhe selbst beeindruckt durch ihren hohen Innenraum und die interessante Färbung des Gesteins. Außerdem kann man, wenn man mutig ist, über eine Schlucht zu einem Aussichtspunkt klettern.

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Die Kletterei machte mich hungrig, so dass ich mich schon auf das Mittagessen freute. Und ich wurde nicht enttäuscht: Während wir in der Höhle waren, hatten unsere Tour Guides ein beeindruckendes Mahl aufgetischt: Es gab frisch gefangenen Fisch, Shrimps, Hühnchen, Reis, Gemüse, dazu Mangos, frische Anananas und Wassermelone. Das Essen unter freiem Himmel schmeckte köstlich und ich kann jedem nur empfehlen, eine Island Hopping Tour mit Verpflegung zu buchen!

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Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg zu Cathedral Cave, einer Höhle, die nur mit dem Boot erreichbar ist und aufgrund ihrer länglichen Form und des hohen Deckengewölbes an eine Kathedrale erinnert. Ein durchaus interessantes Ziel und eine gute Gelegenheit, Fotos zu schiessen.

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Das Highlight dieses Inselspringens wartete jedoch noch auf uns – in der Form von Pinagbuyutan Island. Falls ich auf einer Insel stranden müsste, würde ich mir diese aussuchen, denn sie bietet einfach alles: traumhaften Sandstrand, grüne Wiesen, Palmen, majestätische Klippen und einen atemberaubenden Ausblick auf die Felsen in der Ferne. Nicht einmal die Masse an Touristen konnte die Inselromantik auf Pinagbuyutan stören. Eindeutig meine Lieblingsinsel bisher!

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Mit diesen wunderschönen Impressionen machten wir uns auf den Rückweg nach El Nido. Am nächsten Tag besuchte ich noch Marimegmeg Beach: Der Strand liegt näher an El Nido als Nacpan Beach, ist deutlich weniger malerisch, zum Schwimmen aber sehr gut geeignet.

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Mein abschließendes Urteil? Besagte Französin hatte Recht: Port Barton mag die schönsten Korallenriffe haben, doch die Inselwelt vor der Küste El Nidos stellte alles in den Schatten, was ich davor gesehen hatte. Darum empfehle ich jedem, die Island-Hopping-Touren zu machen. Das dürfte dann auch der einzige Grund sein, El Nido zu besuchen. Wie schon gesagt, mochte ich die Stadt an sich nicht besonders: Sie ist mir zu laut, zu verschmutzt, zu teuer: Zwar bekommt man auch hier ein Mittagessen für 50 Pesos (75 Cent), man muss aber recht lange danach suchen. In einem der schicken Restaurants kann man für eine Mahlzeit mit Getränken gut das 10-fache ausgeben – für die Philippinen inakzeptabel. Doch wie gesagt: Die wunderschöne, einzigartige Naturkulisse entschädigt für den Wucher. Ein gelungener (vorläufiger) Abschluss meiner Reise auf die Philippinen!